Yoga Fotografie

Ein Beitrag von Hans Hoffmann

 

Ich fotografiere hauptsächlich Natur und Architektur. Meine Reisen führen mich nach Paris (La Défense), in die Champagne (zu den wunderbaren Süntelbuchen), nach Nepal oder in die Antarktis. Meine Objekte rennen mir nicht davon. Ich kann mir stundenlang Zeit nehmen und das richtige Licht abwarten. Seit einigen Jahren fotografiere ich Yoga-Seminare von Lalla und Vilas. Und was treffe ich an? Die Objekte rennen mir nicht davon und das Licht kann ich auch wählen. Und doch ist da ein grosser Unterschied: ich habe es mit Menschen zu tun, mit Menschen, die sich mit sich selber beschäftigen, die nach innen schauen – oft mit geschlossenen Augen – auch mit Menschen, die sich nicht wohl fühlen vor der Kamera. Nähe und Distanz sind die zentralen Themen.

Ich fotografiere mit Festbrennweiten. Ich kann also nicht zoomen, ich muss mich robbend oder rutschend nähern oder entfernen, ich sitze oder liege. Dabei muss ich darauf achten, die nahe beieinander übenden Personen nicht zu stören. Und ich muss nahe ran! Erleichtert wird mir die Arbeit durch meinen Blick durch den elektronischen Sucher der Kamera. Ich schaue also nach unten in die Kamera und nicht direkt auf die Person. So fühlt man sich nicht angestarrt. Ich muss selten warten, bis jemand wegschaut. Mir wurde vor kurzem gesagt: Du hast gut fotografiert! Ich habe dich nicht wahrgenommen! Ein schönes Kompliment.

Mit meiner bevorzugten Brennweite 50 und Blenden zwischen 1.4 und 4 gelingt das selektive Scharfstellen. Nur ein kurzer Bereich auf der Fotografie wird scharf dargestellt, alles andere unscharf. Damit gelingen mir Fotos mit mehreren Yoginis mit der Konzentration auf eine oder zwei Hauptpersonen. Ich stelle scharf (bei der Leica muss man das von Hand machen) und warte auf den entscheidenden Augenblick von passender Körperhaltung und Mimik. Das kann, wie in der Natur, auch hier dauern. Eine besondere Herausforderung ist das Fotografieren von Personen, welche nicht gern fotografiert werden. Ich spreche diese Personen an und frage nach. Oft ist das Problem dadurch schon gelöst.

Im Idealfall kriege ich einen durch Asanas spezifisch komponierten Bildaufbau, das perfekte Licht und eine Person mit nach innen gerichtetem Blick. Ich suche Gruppenaufnahmen mit mehreren Personen, die das gleiche machen (alle im Hund, in der Kobra oder schwitzend vor Anstrengung), Interaktionen, die Konzentration auf eine Person oder zuhörende Personen. Meine Intuition spielt im ganzen Ablauf wahrscheinlich eine grössere Rolle, als ich selber denke.

Ich fotografiere gern auf Augenhöhe oder von noch weiter unten nach oben. Die Verrenkungen, die ich dabei mache, könnten entfernt an Yoga erinnern. Am Ende des Seminars bin ich jeweils wohl ähnlich erschöpft, aber zufrieden wie die Teilnehmenden.

 

BILDER
von Hans Hoffmann