Interview mit Lalleshvari Turske: „Ich liebe es, das NICHT TUN im TUN zu zelebrieren“

Lalla, wo bist du gerade und was machst du gerade?

Ich sitze am Flughafen und warte auf den Abflug zum nächsten Unterrichtsort. Schaue mir die vielen Menschen an und atme durch die Hektik, die an diesem Ort herrscht, hindurch!

 

Über was denkst du nach?

Derzeit und auch in den letzten Wochen denke ich an das Buch, das wir, Vilas und ich,​ geschrieben haben, und das nun in der Fertigstellung ist. Das ist ein sehr interessanter, energetisch hoch aufgeladener Prozess, denn es gilt nun, jeden Abschnitt noch einmal zu prüfen und zu überdenken.

 

Was tut dir gut?

Licht

 

Dein Lieblingsprodukt?

Meine Füße. Das mag komisch klingen, dennoch bin ich meinen Füßen sehr verbunden. Sie tragen mich durchs​ Leben und sie lassen mich so wunderbar Yoga praktizieren, dass ich beinah mit geschlossenen Augen üben kann. Es gibt nichts besseres als diese sensiblen Fußsohlen und die großartige Architektur meines Fußgewölbes.

 

Der wichtigste Moment des Tages für dich ist…?

Sonnenaufgang, Morgenröte

 

Was sind deine Kraftspender?

Die Zwischenräume. Die Momente des NICHT. Unsere Tage sind oft sehr voll, und da tut es mir gut, einen Moment des Nicht-aktiv-Seins zu zelebrieren. Das ist oft die Meditation, sehr oft auch das Sitzen und auf den See schauen. Ich nenne das gern das NICHT TUN im TUN. Das heisst, dass ich immer noch fokussiert und konzentriert bin, dennoch muss daraus nicht gleich Aktivität entstehen.

 

Du praktizierst nun schon seit 23 Jahren Yoga. Ist die Praxis mit Schülern heute anders als früher?

Ja sicher. Über zwei Jahrzente der Praxis verändern einen sehr. Ich bin ganz ruhig, ganz präsent. Muss nicht mehr suchen, muss mich nicht mehr übermäßig anstrengen und kann ganz mit meinem Atem schwingen.

 

Wie siehst du die Entwicklung im Yoga in den letzten Jahren?

Das Interesse an Yoga ist stark gestiegen. Mittlerweile weiß wohl jeder, was Yoga ist, auch wenn es nur die Assoziation mit der Entspannung ist. Für uns ist das ganz wunderbar, denn mit dem steigenden Interesse wachsen auch

​die Schülerzahlen, die sich für die tatsächlichen Inhalte des Yoga interessieren und zu unseren Veranstaltungen kommen, egal wo wir unterrichten.

 

Und wie wird sich Yoga in den nächsten Jahren entwickeln?

Das besagte Interesse wird nicht nachlassen. Die Menschen wollen und müssen Alternativen und Ausgleich zu ihrem oft sehr hektischen und stressreichen Leben finden. Yoga ist eben eine wunderbare Kombination von physischer Bewegung​,​ mentaler Konzentration und Verbindung mit dem Inneren.​

 

Gemeinsam mit Vilas arbeitest, lebst und liebst du 24 Stunden am Tag – was ist euer Geheimnis?

Quality Time. Das heißt, dass wir wirklich täglich Zeit füreinander einräumen. Zeit für Gespräche, Zeit für gemeinsames Erleben und Erfahren. Ich höre Vilas auch wirklich zu, wenn er redet und umgekehrt. Wir haben gelernt, dass das in einer so intensiven Beziehung sehr wichtig ist. Wir erfahren uns so in ständiger Veränderung und das ist spannend.

 

Kannst du verstehen, warum heute so viele Frauen (und auch Männer) alleine sind/Single sind? Was rätst du ihnen?

Eine tiefe Beziehung braucht eben wirklich Zeit. Und eine tiefe Beziehung ist harte Arbeit. Das wird oft unterschätzt. Dennoch kann man den Austausch mit einem geliebten Menschen nicht takten wie man möchte. Ich habe viel Verständnis für Frauen und Männer, die sich in unserer heutigen Gesellschaft so behaupten müssen, dass wenig oder keine Zeit für das Zusammensein bleibt. Dennoch finde ich es schade. Ein Miteinander ist meiner Meinung nach soviel bereichernder als das Single Dasein. Doch das erfordert Zeit und Raum für das Wahrnehmen des geliebten Menschen an seiner Seite. Es fordert das offen Sein für dessen Schwingungen und Schwankungen. Zu denken, dass der Andere eben so ist, wie er ist, wird einer Beziehung nicht gerecht. Zudem führen unregelmäßige Intervalle des erwartungsgeladenen Miteinander oft zu Konflikten, weil sich in der Zwischenzeit alles verändert hat, obschon es von außen gesehen gleich ist (gleiche Arbeit, gleiche Kinder, gleiche Tagesabläufe).  Für uns ist deshalb das Geheimnis der nun schon so langen starken und so schönen Beziehung, die oben beschriebene Quality Time. Wir haben uns auch geschworen, nie länger als drei Nächte voneinander getrennt zu sein! Wenn einer von uns verreisen muss, dann kommt der andere mindestens nach drei Tagen auch dorthin. Oder es bleibt bei den drei Tagen des Fortseins.

 

Ihr unterrichtet ein inspirierendes und tief bewegendes Yoga. Welche (inneren/äußerlichen) Veränderungen spürst oder erkennst du bei denen,  mit euch praktizieren?

Wir erkennen bei den Menschen oft nicht nur Veränderung sondern wahre Transformation. Auf der körperlichen Ebene sehen wir die Zunahme an Energie und Kraft nebst einer wunderschönen Dehnfähigkeit. Zudem wächst die Konzentration und die Achtsamkeit.  Auf der psychischen Ebene sehen wir noch viel mehr: da haben die Menschen plötzlich weniger Angst, haben mehr Mut zur Veränderung, haben Lust, ihren Alltag freudiger und kreativer zu gestalten und tun es auch.

​Wir sehen oft leuchtende Augen und ein tiefes Strahlen.​

 

Beende den folgenden Satz: Yoga ist für mich…

weit, weit mehr als mit Worten beschreibbar.

 

Aktuell starten die neuen Ausbildungen, ein neues Buch ist in Arbeit – worauf freust du dich in 2018 besonders?

Auf den Moment, wo wir gemeinsam zum ersten Mal unser Buch in der Hand halten und es öffnen.

Besondere Yoga-Workshops und Retreats mit Lalla:

Immersion 1a mit Lalla und Vilas am Zürichsee, Rüti Schweiz: 13.-15.04.2018
Informationen und Buchen
Sommerakademie Teil 1 mit Lalla und Vilas, Übungsräume der parApara yogaAkademie Potsdam, 06.-11.07.2018
Unvollkommene Vollkommenheit: Herbstretreat mit Lalla und Vilas auf Ischia, 15.-22-09.2018
Tore zum Selbst: Retreat mit Lalla und Vilas auf Illiohoos, 19.-26.10.2018