Impressionen der Yoga-Praxis – Im eigenen Licht erstrahlen

Ein Beitrag von Philipp Eyer

 

„So Ham – Es bin ich und ich bin Es“

Der letzte Teil der Immersion war für mich eine intensive Abrundung der gesammten Immersion. Vieles wurde klarer und gewisse Dinge erhielten einen noch tiefere Bedeutung, da sie einen grösseren Sinnzusammenhang gesetzt wurden. Der Kreis hat sich geschlossen. Das letzte Wochenende war sehr dicht und erkenntnisreich, wie immer wenn man mit Lalla und Vilas arbeitet. Die beiden vereinen auf grossartige Weise das jahrhunderte alte yogische Wissen mit Erkenntnissen aus der Psychologie und Medizin. Durch ihre grossartigen pädagogischen Fähigkeiten, indem sie auf jeden einzelnen einzugehen vermögen und offenen Fragen viel Raum schenken, gelingt es ihnen die teils komplexen und manchmal schwer fassbaren Inhalte verständlich zu transportieren. Ihre Präsenz und Klarheit schafft einen wertvollen Raum, der zur Reflexion über uns selbst anregt und für weitere Gedanken inspiriert. In der Immersion von Lalla und Vilas wird dem Vermitteln von Wissen – neben der Asana-Praxis – eine ganz zentrale Bedeutung beigemessen. Denn « je mehr wir wissen, desto mehr können wir auch wahrnehmen » wie Vilas zu sagen pflegt. Deshalb war die Vermittlung von Wissen auch wieder ein fester Bestandteil der Immersion 3a/b. Diesmal stand unter anderem die Frage ‘Who am I’ – ‘Wer bin Ich ?’ im Mittelpunkt der Reflexion.

Zur Einführung des Themas haben uns Lalla und Vilas in eine Meditationsübung eingeführt, die mich sehr berührte. Zu zweit gegenüber sitzend, fragte der eine, den anderen in rythmischen Abständen « Wer bist du ? Wer bist du ? ». Das Gegenüber antwortete spontan, mit Begriffen und Bildern, die in ihm hochkamen. Diese direkte Konfrontation mit uns selbst, unserer Identität und unseren Selbstbildern, war eine sehr tiefe Erfahrung. Ja, wer bin ich denn eigentlich ? Who am I ? Dadurch war die Frage gestellt, die uns während den paar Tagen immer wieder begegenen sollte.

Während der Meditation und in der anschliessenden Auseinandersetzung mit der Frage wurde klar, dass es neben den vielen konstruierten Rollen, die wir im Alltag spielen, neben den Selbstbildern, die wir in Interaktion mit unserem Umfeld kreieren, eben noch eine andere, viel tiefere Ebene unserer Existenz gibt.

Diese tieferliegende Ebene ist die Essenz unseres Daseins, die frei, friedvoll und wertfrei ist – so ham « Es bin ich ».

Diese innere Essenz kann ich während der Meditation oder der Yoga-Praxis erkennen, wenn ich mich mit dem ‘stillen Beobachter’ in uns – sak shin – verbinden kann. Durch das ‘nicht-tun’, das wertfreie Beobachten in der Meditation, können wir die Dinge erkennen, die unseren Geist nicht zur Ruhe kommen lassen. Nach Patanjali sind dies die fünf Kleshas: meinen zu wissen, wie es ist (avidya) ; meinen zu wissen, wer ich bin (asmita) ; die Gier etwas haben zu wollen (raga) ; der Widerstand, gewisse Dinge nicht wahr haben zu wollen (dvesha) ; die Angst, insbesondere vor dem Tod (abhinivesha).

Während der Immersion haben wir uns auch mit dem Begriff Gleichmut auseinandergesetzt, der dadurch für mich eine tiefere Bedeutung bekam.

Gleichmut ist sak shin, die Fähigkeit oder der Mut (des stillen Beobachters), alles was kommen mag im Leben als gleichwertig zu betrachten. Die Fähigkeit auch den schweren und unagenhemen Situationen mit einer inneren Haltung von Gleichmut zu begegen.

 

Diese innere Haltung kann ich während meiner Asana-Praxis üben, indem ich über die Erfahrung meines begrenzten Körpers zur Mitte finde – zur sattvischen Mitte – der Stille im ‘dazwischen’.

Neben der Frage nach dem ‘Who am I’ stand die Geschichte und Philosophie des Tantra im Fokus. Zudem wurden die Bandhas und das Chakren-System eingeführt, welche für die Yoga-Praxis essentiell sind. Der Ansatz von Lalla und Vilas bezüglich der Bandhas hat ein ganz neues Licht auf mein Verständnis davon geworfen. Bisher waren für mich die Bandhas Verschlüsse, die es zu verschliessen galt. Doch Mulabandha bedeutet nicht nur Kontraktion der Anusmuskulatur beispielsweise und Jaladharabandha nicht Kinn-Verschluss, der die Luftröhre verschliesst. Für Lalla und Vilas sind die Bandhas eben keine Verschlüsse, sondern Energietore, Schleusen, an denen die Energie umgeleitet werden kann. Sie sind zentral für die innere Energiearbeit, die das Yoga von Lalla und Vilas gerade auszeichnet und werden durch die Loops (Beckenloop, Nierenloop und Schulter/Schädelloop) initiert. Zum ersten Mal habe ich die Bandhas bewusst wahrnehmen können während meiner Praxis.

Natürlich haben wir auch wieder sehr viel Asana-Praxis geübt. Intensiv in Gruppen, wobei Lalla und Vilas jeden einzelnen sehr genau beobachtet und gezielt unterstützt haben. Ich bin immer wieder fasziniert, wie die beiden den individuellen Energiefluss jedes einzelnen in seiner Yoga-Praxis wahrnehmen und sehr einfühlsam darauf eingehen können. Es ist ein unglaubliches Geschenk mit den beiden zu arbeiten und von ihnen zu lernen. Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich mich für die Anusara-Immersion mit Lalla und Vilas entschieden habe.

Die Immersion – Ich und mein Yoga – hat unglaublich viel in mir ausgelöst, was ich an dieser Stelle nur schwer zu beschreiben vermag. Es ist erst der Anfang eines neuen, sehr spannenden und inspirierenden Weges in eine neue Welt des Yogas. Und Lalla und Vilas haben mir durch die Immersion das Tor zu dieser Welt geöffnet.

 

Der Weg geht weiter. Ich freue mich sehr auf das kommende Teachertraining und dass ich weiterhin mit Lalla und Vilas diesen Weg in diese neue Welt des Yogas gemeinsam gehen darf.